Shelby Cobra

It all starts with a dream

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag als ich mit meinem Vater die B41 von Sobernheim kommend Richtung Bad Kreuznach entlang fuhr. Ich saß relativ gelangweilt hinten im Auto als sich auf Höhe von Waldböckelheim ungeahnt plötzlich mein Leben nachhaltig verändern sollte. Ich war erst 10 Jahre alt und konnte mit Autos noch nicht so viel anfangen. Klar hatte ich meine Spielzeugautos mit denen ich gerne gespielt habe, aber ob das nun ein Audi, ein BMW, ein Porsche oder Ferrari war, war mir relativ egal. Bis zu diesem Tag. Denn auf einmal hörte ich ein Grollen auf uns zu kommen. Es wurde immer lauter und auf einmal kam vom Fahrersitz nur noch: "Cool Mathias, schau mal, da kommen lauter Cobras!". An uns vorbei fuhr eine Ausfahrt von ca 30-40 Cobras wenn ich das richtig einschätzen konnte. Es waren jedenfalls unglaublich viele und eine war schöner, beeindruckender und lauter als die andere. In diesem Moment war mir klar, "Irgendwann wirst du auch so eine besitzen!" Der Traum war geboren! Ab diesem Zeitpunkt löcherte ich meinen Vater fast täglich mit Fragen zum Thema Cobra. Was ist das fur ein Auto? Wie schnell ist das? Wie viel PS hat das Auto? Wie viel kostet so ein Auto? Bis er mir ein paar Tage später eine kleine Cobra mitbrachte die ich heute noch besitze!


Die Jahre gingen ins Land. Ich wurde älter, wir zogen um nach Bayern, ich machte meinen Führerschein und durfte endlich Auto fahren, ich fing mit meiner Ausbildung an, man lebte eben so vor sich hin. Es kamen und gingen wirklich schöne Autos in meinem Leben, mein erster BMW, ein BMW E28, zwei M3s, mein roter E39, natürlich bis dahin über allem tronend mein RS6plus, danach mein RS3, aber ein Ziel verlor ich nie aus den Augen. "Irgendwann wirst du auch so eine besitzen!" Der Gedanke von meinem 10-jährigen Ich war mir noch so klar im Kopf als wäre er gestern gewesen.


Im Juni 2017 saß ich dann mit meinem besten Freund Emil und meiner Frau zu Hause und irgendwie kam das Gespräch wieder auf das Thema Cobra. Wir unterhielten uns ein bißchen darüber und meine Frau wusste bereits dass das mein großer Lebenstraum war. Auf einmal wie ausheiterem Himmel sagt sie dann: "Na was ist denn dann jetzt mit deiner Cobra?" Ich erwiederte: "Na was soll damit sein? Ich habe keine und weiß nicht ob ich jemals eine haben werde. Vielleicht wird das immer ein Traum bleiben". Natürlich war es mein Lebenstraum. Wenn man so autoverrückt ist wie ich und diese Autoverrücktheit nach 25 Jahren noch genau auf ein Erlebnis zurückführen kann das vielleicht 2 Minuten gedauert hat, dann weiß man was diese Unterhaltung für mich bedeutete. Trotz der Tatsache das es mein Lebenstraum war hätte ich mir diesen Traum wahrscheinlich nie erfüllt. Es wäre mir einfach zu viel Geld gewesen was ungenutzt in der Garage rumsteht und alle drei, vier Wochen mal rausgeholt wird wenn die Sonne scheint und die Straßen frisch gekehrt sind. Doch dann kam der entscheidende Satz meiner Frau: "Dann kauf dir doch endlich eine! Wenn du alt und grau bist brauchst du sowas nicht mehr kaufen. Fahr sowas solange du noch jung bist und so einen Spaß dran hast!" Ich konnte nicht glauben was ich da grade gehört hatte. Sollte ich lachen, schreien, weinen vor Freude? Das Gefühl lässt sich nur sehr sehr schwer beschreiben.


Kurze Zeit drauf meldete ich mich im Cobra-Forum an um mich in das Thema Cobra besser einzulesen. Wie schwierig und komplex dieses Thema ist, hätte ich vorher selber nicht gedacht. Nichtsdestotrotz lebte mein Traum wie nie zuvor und ich inserierte meinen RS3 zum Verkauf. Parallel schaute ich mich bereits nach einem neuen Daily um. Mit dem Kauf des RS3 hatte ich mich dazu entschlossen nur noch ein Auto zu fahren, weswegen ich keinen Daily hatte, bzw den RS3 als Daily nutzte. Nachdem ich mich im Cobra-Forum vorgestellt hatte und grob umrissen hatte was ich so suche wurde mir bereits klar gemacht das ich mich von meinen Vorstellungen schonmal verabschieden sollte oder das Budget deutlich nach oben korrigieren sollte. Ich wurde aber sofort eingeladen kurze Zeit später zum Treffen auf der schwäbischen Alb zu kommen wo mir von wirklich vielen Leuten ein Platz auf ihrem Beifahrersitz angeboten wurde um so viele verschiedene Cobras wie möglich zu erleben. Gesagt getan. Der Tag am Cobra Treffen war wie im Himmel. Drei verschiedene Cobras von 250PS mit Automatik bis hin zu 550PS und Handschalter durft ich miterleben. Die Leute waren sagenhaft nett und hilfsbereit. Einen solchen Zusammenhalt habe ich bisher noch nirgendwo erlebt. Man konnte das Gefühl haben ich wäre schon Jahre dabei.


Kurze Zeit später machte ich mich auf die Suche nach "meiner" Cobra. Ich hatte sehr genaue Vorstellungen, denn ich hatte ja seit 25 Jahren bereits meine Cobra. Sie sollte auf jeden Fall einen V8 haben, optimalerweise von Ford, natürlich Linkslenker, Handschalter, Sidepipes, keine zu auffälligen Farben, am liebsten klassisch in dunkelblau mit weißen Streifen, sie sollte mindestens 400PS haben, einen Überrollbügel auf nur einer Seite, die eckigen Rückleuchten, Holzlenkrad, Armaturenbrett wie das 427 S/C Modell, Handbremse im Beifahrerfußraum, Halibrand Felgen, Quick Jacks, keine außenliegenden Kofferraum und Motorhaubenscharniere, Reifen mit Whiteletters und natürlich wie es sich für eine Cobra gehört einen Vergaser Motor. So stellte ich mir meine perfekte Cobra vor. Mir wurde relativ schnell klar das ich mich von meiner perfekten Cobra sehr schnell verabschieden muss. Es gab schlichtweg nichts was alles das vereint hätte. Naja, mit diesem Wissen fing ich also an Abstriche zu machen und reiste mit Flugzeug, Bahn und Leihwagen durch die Republik um mir alle möglichen inserierten Cobras anzuschauen. Der erste Weg führte nach Hamburg zu Westside Cars. Dort stand eine Cobra in schwarz mit goldenen Streifen. Zwar passten die runden Rückleuchten nicht, es war ein Einspritzermotor, die PS Zahl passte nicht und einige Kleinigkeiten. Trotzdem war ich hin und weg als ich live davor stand und wusste noch ohne drin gesessen zu haben das ich die kaufen werde! Die Probefahrt sagte mir auch sofort, 300PS reichen in diesem Auto auf jeden Fall!!! Dieses Ziel konnte also schonmal nach unten korrigiert werden. Trotzdem fuhr sie sich nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte. Sehr nervös an der Hinterachse, sehr hoppelnd über jede Querrille und Bodenwelle. Außerdem war die Elektrik sehr schlecht verkabelt und einige Instrumente funktionierten nicht. Also doch nicht kaufen. Am selben Tag ging es noch zu Uwe Beckbye nach Quickborn der ebenfalls eine Cobra inseriert hatte. 420PS, allerdings aus einem Chevy Motor, auch wieder runde Rückleuchten, Armaturenbrett stimmt nicht etc. Trotzdem ein wirklich tolles Auto was sich auch absolut klasse fahren lies. Wir unterhielten uns über das ganze Thema Cobra ca zweieinhalb Stunden. Wirklich ein tolles Gespräch, ein klasse Kerl und eigentlich auch ein tolles Auto. Trotzdem waren ein, zwei Kleinigkeiten die mir nicht gefielen und ich hatte nicht das Gefühl das es "meine" Cobra ist. Also ohne Cobra wieder von Hamburg nach Hause, aber um die ein oder andere Erfahrung reicher.


Zwischenzeitlich bot mir jemand aus dem Cobra Forum über eine private Nachricht seine Cobra an, die nirgendwo inseriert war. Er schickte mir auch ein paar Bilder vom Auto, welche mir wahnsinnig gut gefielen. Okay, Armaturenbrett passte noch nicht, sie hatte außenliegende Kofferraumscharniere und gar keine an der Motorhaube, vorne keine Quick Jacks, aber im Großen und Ganzen schon sehr nah an meiner Idealvorstellung. Ich hatte die nächste Reise sowieso schon geplant. Es ging von München aus mit dem Flugzeug nach Hannover, dort mit dem Leihwagen weiter nach Wietze und danach Richtung Paderborn zu Race-Classic dem größten Cobra Händler Deutschlands. Die Cobra aus dem Forum lag genau dazwischen weswegen wir einfach ausmachten das ich mal vorbei komme und sie mir anschaue.


Flug war gebucht und es gingen einige Wochen ins Land. Nachdem in der Zwischenzeit mein RS3 verkauft war und ich dem Forumsmitglied bescheid gegeben hatte teilte der mir zu meinem Entsetzen mit das seine Frau und die Kinder nicht mehr wollen das er die Cobra verkauft und das dementsprechend wahrscheinlich nichts wird. Er selber würde sie mir ja verkaufen, aber er will keinen Familienstreit vom Zaun brechen. Ich sollte aber trotzdem auf meiner Reise mal vorbei kommen dann könnten wir ein bißchen quatschen und ich kann auch mal eine Runde fahren um um eine Erfahrung reicher zu sein. Die Reise ging also los (an meinem Hochzeitstag) früh um 05:00 Uhr da mein Flieger um 06:10 Uhr schon ging. Weiter nach Wietze zum Händler der mich mit entgeisterten Augen ansah. "Kann ich ihnen helfen?" Nachdem ich drei Wochen vorher bereits angerufen hatte und mein Interesse hinterlegt hatte, darum gebeten habe das ich auch eine Probefahrt machen kann da ich extra einen Flug buche, musste ich mit entsetzen feststellen das die Cobra nicht fahrbereit war, da der Motor zerlegt war. "Ja Sorry!"

Etwas stinkig ging es weiter Richtung Race Classics. Auf dem Weg hielt ich beim Forumskollegen an der mir seine Cobra angeboten hatte. Was soll ich sagen?! Da stand sie, "meine" Cobra!!! Absolut perfekt. Vor mir stand mein kleines Auto das ich seit 25 Jahren besaß, nur in groß und fahrbereit! Dunkelblau mit weißen Streifen, Ford Racing V8, Linkslenker, Handschalter, Sidepipes... was soll ich alles aufzählen, es passte ausnahmslos ALLES!!! Wir machten eine Probefahrt, zuerst fuhr er, dann ich. Das Auto fuhr sich wie ein Traum. Sound, Leistung, Getriebe, alles war perfekt! Halt, nicht alles. Perfekt war nicht das er nicht mehr verkaufen wollte. Da ich in der Zwischenzeit schon einige Cobras gesehen habe und gefahren bin wusste ich was für ein Schatz da vor mir stand. Aber was soll man machen?! Stand nicht zum Verkauf.




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Also statt stinkig diesmal traurig wieder ins Auto gestiegen und weiter zu Race Classics. Dort angekommen der selbe Blick wie bereits in Wietze beim Händler. "Ja wir wussten schon das sie kommen, aber nicht welche Cobras sie denn fahren wollen?!" Naja, wäre ja auch kein Problem gewesen wenn die inserierten Autos da gewesen wäre. Aber von drei Cobras die ich anschauen und fahren wollte, war nur eine überhaupt da. Und die stand in einer dunklen Halle ganz hinten zugeparkt von einigen anderen Autos. Natürlich war mir das egal und die Jungs fingen mürrisch an die Cobra freizuräumen. Während die also am rangieren waren machte ich mich auf Richtung Cobra um sie mir schonmal anzuschauen. Ich erspare euch jetzt die weiteren Ausführungen, nur kurz umrissen: Reifen platt und uralt, sprang nicht an, es kam kein Sprit im Vergaser an, als sie dann endlich lief verlor sie Kühlflüssigkeit, dann Servoöl, als das notdürftig geflickt war kam die Probefahrt auf der die Kupplung nicht ging und die Bremse auch nicht. Die Probefahrt war also nach 250 ängslichen Metern wieder beendet. Ich saß Abends am Flughafen in Paderborn und wartete auf meinen Rückflug. Tief enttäuscht saß ich da und war kurz davor meinen Traum zu begraben. Nachdem ich nun schon einige angeschaut hatte, noch mehr probegefahren und bei nochmal einigen mitgefahren bin, wurde mir langsam klar das es "meine" Cobra nicht gibt, oder es sie gibt aber nicht zum Verkauf steht, oder zum Verkauf steht aber für einen Preis der jenseits von gut und böse ist.


Es ging einige Zeit ins Land und ich schaute mir verzweifelt noch die ein oder andere an. Inzwischen hatte ich mir in meinem Preisbudget deutschlandweit alle Cobras angeschaut die mein absolutes Mindestmaß (V8, Handschalter, Linkslenker, Sidepipes) an Vorraussetzungen erfüllten. Leider war keine dabei welche ich mit ruhigem Gewissen hätte kaufen können.

Ich saß mal wieder daheim und dachte an die Cobra vom Forumskollegen. Die wäre perfekt gewesen. 100%. Ich ergriff also in diesem Moment den letzten Strohhalm den ich noch hatte und schrieb ihm eine Nachricht. Seine Aussage damals war ja nicht das sie nicht mehr zum Verkauf steht, sondern das seine Frau und die Kinder nicht mehr wollen das er verkauft und es deswegen wahrscheinlich nichts wird. Ich schreib ihm also eine Nachricht das ich mit einem "wahrscheinlich" nichts anfangen kann. Wenn ich mir weiter in der Ungewissheit andere Cobras anschaue vergleiche ich die immer mit seiner. Das ich jetzt eine klare und definitive Absage möchte oder er soll sie mir verkaufen. Er schrieb mir dann das er übers Wochenende mit seiner Frau weg fährt und er sie da nochmal drauf ansprechen würde. Das war zumindest schonmal kein Nein! Die kommenden Tage vergingen mit hoffen, bitten und beten. Ich schickte seiner Frau sogar über Fleurop noch einen Blumenstruß in der Hoffnung sie noch umstimmen zu können.

Montag kam dann eine Nachricht die mich wie versteinert auf der Couch sitzen ließ. "Also wenn du sie noch willst kannst du die Cobra haben!" Ich wusste gar nicht was ich schreiben soll. Ich war wie gelähmt und sprachlos dass das wirklich geklappt hatte.

In den folgenden Tagen machten wir per Mail den Kaufvertrag, ich überwies das Geld und kümmerte mich um den Transport. 650km Mitte November ohne Dach wollte ich dann doch nicht riskieren. Am 10. November 2017 war es dann soweit und mein Traum erfüllte sich. In einem geschlossenen Brian James Race Trailer wurde die Cobra direkt zu mir nach Hause geliefert. Seitdem kann ich kaum glauben das dieses Auto mir gehört.